Michael Nuñez berichtet auf VentureBeat über die virale Wirkung eines X-Threads von Boris Cherny, Schöpfer und Leiter von Claude Code bei Anthropic, in dem dieser seinen Entwicklungsworkflow im Detail beschreibt. Die Entwicklergemeinschaft bezeichnet diese Enthüllungen als einen entscheidenden Moment für Anthropic.

Chernys Workflow basiert darauf, fünf Claude-Agenten parallel in seinem Terminal laufen zu lassen. Er nummeriert seine iTerm2-Tabs von 1 bis 5 und nutzt Systembenachrichtigungen, um zu erkennen, wann ein Agent ein Eingreifen erfordert. Während ein Agent eine Testsuite ausführt, refaktoriert ein anderer ein Legacy-Modul, und ein dritter schreibt Dokumentation. Zudem startet er 5 bis 10 zusätzliche Claude-Sitzungen auf claude.ai und nutzt einen „Teleport"-Befehl, um Sitzungen zwischen dem Web und seinem lokalen Rechner zu übertragen.

Anders als die Branche, die von Latenz besessen ist, verwendet Cherny ausschließlich Opus 4.5, das schwerste und langsamste Modell von Anthropic. Seine Begründung: Obwohl langsamer, benötigt dieses Modell weniger Korrekturen und ist im Umgang mit Tools hervorragend, was es letztlich schneller macht als ein leichtgewichtiges Modell. Der Flaschenhals ist nicht die Generierungsgeschwindigkeit, sondern die menschliche Zeit, die für die Korrektur der Fehler der KI aufgewendet wird.

Um das Problem der Amnesie von LLMs zwischen Sitzungen zu lösen, pflegt das Team eine einzige CLAUDE.md-Datei in seinem Git-Repository. Jedes Mal, wenn Claude einen Fehler macht, wird dieser in dieser Datei dokumentiert, um seine Wiederholung zu verhindern. Diese Praxis verwandelt die Codebasis in einen sich selbst korrigierenden Organismus, in dem jeder Fehler zu einer dauerhaften Regel wird.

Cherny verwendet Slash-Commands – benutzerdefinierte, im Repository versionierte Shortcuts –, um repetitive Aufgaben zu automatisieren. Sein Befehl /commit-push-pr, der Dutzende Male am Tag genutzt wird, übernimmt automatisch die Versionierung. Zudem setzt er spezialisierte Subagenten ein: einen code-simplifier zur Bereinigung der Architektur und einen verify-app für End-to-End-Tests.

Die Verifikationsschleife ist die zentrale Innovation. Claude testet jede Änderung über die Chrome-Erweiterung, öffnet einen Browser, testet die Oberfläche und iteriert, bis der Code funktioniert und die UX zufriedenstellend ist. Diese automatische Verifikation verbessert die endgültige Qualität um das 2- bis 3-Fache.

Der Artikel schließt mit einem Paradigmenwechsel: KI ist nicht mehr ein Autocomplete-Assistent, sondern ein „Betriebssystem für die Arbeit selbst". Entwickler, die diese Vision übernehmen, werden nicht nur produktiver sein – sie spielen ein völlig anderes Spiel.