Cat Wu und Boris Cherny, Gründungsingenieure von Claude Code bei Anthropic, berichten in Every's Podcast AI & I, wie sie ihr eigenes Produkt nutzen und was sie durch die Beobachtung hunderter Ingenieure beim Einsatz von Claude Code gelernt haben — über "Antfooding" (Anthropic-Mitarbeitende = "Ants", ihre Version des Dogfooding).
Praktische Nutzungserkenntnisse
Der Plan-Modus ist entscheidend: Man sollte nicht versuchen, alles in einem einzigen Durchgang zu lösen. Die Aktivierung des Plan-Modus (Claude skizziert die Schritte vor der Codierung) verdoppelt oder verdreifacht die Erfolgswahrscheinlichkeit bei komplexen Aufgaben, da der Ansatz vor der Ausführung abgestimmt wird.
Geteilte settings.json: Im Codebase wird eine Konfigurationsdatei mit vorab genehmigten Befehlen (Routineaufgaben ohne Berechtigungsabfragen) und gesperrten Dateien (nie anfassen) angelegt. Das gesamte Team übernimmt sinnvolle Standardeinstellungen, statt individuell zu konfigurieren.
Kreative Stop-Hooks: automatisierte Aktionen, wenn Claude fertig ist. Beispiel: die Testsuite ausführen und Claude bei Fehlern anweisen, die Probleme zu beheben und weiter zu testen, statt anzuhalten. "Man kann das Modell einfach weiterlaufen lassen, bis die Aufgabe erledigt ist."
Subagents im Schlagabtausch: Cherny startet für Code-Reviews mehrere Subagents, die sich gegenseitig herausfordern. Erster Durchgang: Style-Richtlinien, Projekthistorie, offensichtliche Bugs. Zweiter Durchgang: 5 Subagents suchen nach Schwachstellen in den ursprünglichen Befunden. Ergebnis: reale Probleme werden erfasst, ohne Fehlalarme.
Code-Migrationen: Ingenieure geben dafür 1.000+ $/Monat aus. Der Hauptagent erstellt eine To-do-Liste, und Subagents bearbeiten die Punkte parallel. Besonders wirksam beim Wechsel von Testframeworks, da sich das Ergebnis leicht verifizieren lässt.
Tagebucheinträge und institutionelles Wissen: Claude schreibt nach jeder Aufgabe Protokolle. Separate Agents werten sie aus und destillieren wiederverwendbare Erkenntnisse daraus. Herausforderung: einmalige Anweisungen ("Button pink machen") von echten, universell anwendbaren Best Practices zu unterscheiden.
Implizites Code-Teilen bei Every: Beim Bau eines neuen Features schauen sich Subagents an, wie andere Apps das bereits gelöst haben. "Man braucht keine API und muss niemanden fragen, sondern [fragt die KI] einfach: 'Wie machen wir das eigentlich schon?'"
Bevorzugte Slash-Commands: /commit (Commits/Push automatisieren), /feature-dev (Spec → Plan → To-do → strukturierte Ausführung), /code-review (erster Durchgang bei PRs, endgültige Freigabe durch den Menschen).
Produktphilosophie
Für alle bauen, Experten treiben die Grenzen weiter: ein Produkt, einfach genug für jeden, leistungsfähig genug für fortgeschrittene Nutzer, die neuartige Anwendungsfälle entdecken, die die Schöpfer nie vorgesehen hatten. Die Beobachtung, wie Nutzer das Produkt "missbrauchen", offenbart latente Nachfrage nach neuen Funktionen. Meta-Parallele: Facebook Dating entstand aus der Beobachtung, dass 60 % der Profilaufrufe von gegengeschlechtlichen Nicht-Freunden stammten.
Erweiterbarkeit als Grundüberzeugung: Jede Entwicklungsumgebung ist einzigartig. Slash-Commands, Hooks und Plugins lassen Nutzer ihren Workflow selbst gestalten. "Determinismus lässt sich praktisch an jedem Schritt einbauen." Die neue Nutzererfahrung ist intuitiv: "einfach loslegen, und es funktioniert."
Vereinfachen beim Skalieren: Disziplin, ebenso viel zu entfernen wie zu bauen. Funktionen werden zurückgenommen, sobald ein einfacherer Ansatz gefunden wird. Bash als universelle Schnittstelle ersetzt Dutzende spezialisierte Werkzeuge und reduziert den Kontext: "Schweizer Taschenmesser statt einer Schublade voller Ein-Zweck-Geräte."
Zukunftsvision
Erkundung neuer Formfaktoren: CLI, IDE-Erweiterung, GUI, GitHub-Integration, Web, Mobile. "Niemand weiß, wie die [neuen] Formfaktoren aussehen werden, das Ganze bewegt sich einfach zu schnell."
Entwicklung des Dangerous Mode: aktuelle Modelle laufen 30 Stunden am Stück. Die nächste Generation wird vermutlich tagelang laufen. Praktisches Problem: Man kann den Laptop nicht tagelang offen liegen lassen. Aufkommende Herausforderung: Claudes überwachen andere Claudes, wobei die Claude-zu-Claude-Kommunikation stärker optimiert wird als die menschliche Kontrolle.
Nicht-technische Nutzer: Data Scientists, Forschende, Analysten und Product Manager setzen es ein. Die VS-Code-Erweiterung bietet statt des Terminals eine Point-and-Click-Oberfläche. Every startet ein Camp "Claude Code für Einsteiger" (19. November): ein praxisorientierter Workshop zu Installation, Aufgabenvergabe und dem durchgängigen Bau einer App, ganz ohne Programmiererfahrung.
Der Artikel zeigt, wie Claude Code Every verändert hat: Jedes Feature erleichtert das nächste, der CEO liefert Code in unbekannte Codebasen aus, und nicht-technische Personen finden sich plötzlich im Terminal wieder.