Ethan Mollick, außerordentlicher Professor an der Wharton School und Autor von Co-Intelligence, äußert sein Erstaunen darüber, wie viele Unternehmen KI aus veralteten Gründen nach wie vor faktisch durch ihre IT- und Rechtsabteilungen blockiert lassen. Er hebt das Paradoxon hervor: Unternehmen in stark regulierten Branchen haben bereits Wege gefunden, Enterprise-KI-Lösungen wie ChatGPT, Claude und Gemini einzusetzen, einschließlich Kommandozeilen-Tools wie Claude Code, ohne dabei auf ein erkennbares Problem zu stoßen.
Mollick beschreibt, was er als eine der seltsamsten Diskrepanzen bezeichnet, die er beobachtet: Zwei Unternehmen in genau derselben Branche können radikal unterschiedliche Herangehensweisen haben. Das eine nutzt KI seit 18 Monaten produktiv, während das andere ein Komitee eingerichtet hat, das jeden einzelnen Anwendungsfall genehmigen muss und sich zudem noch sorgt, dass aktuelle KI-Modelle automatisch mit Unternehmensdaten trainieren – eine Befürchtung, die Mollick direkt widerlegt, indem er darauf hinweist, dass dies bei Enterprise-Versionen nicht der Fall ist.
In einem Folgekommentar vertieft Mollick seine Analyse, indem er die Grundursache dieser Divergenz benennt. Der entscheidende Faktor ist im Allgemeinen die Bereitschaft einer Führungskraft – oft des CEO, aber nicht immer –, das mit der KI-Adoption verbundene Risiko und die Verantwortung zu übernehmen. Lautet die Antwort nein, haben die risikominimierenden Kräfte innerhalb der Organisation (allen voran IT- und Rechtsabteilungen) jeden Anreiz, alles zu vermeiden, was auch nur den Verdacht eines Problems erwecken könnte.
Seine Schlussfolgerung ist eindeutig: Dies ist grundsätzlich eine Frage der Führung. Es handelt sich nicht um ein technisches, regulatorisches oder Datensicherheitsproblem – es ist eine Frage von unternehmerischem Mut und strategischer Bereitschaft, Veränderungen anzunehmen. Unternehmen, die vorankommen, sind jene, deren Führungskräfte kalkulierte Risiken akzeptieren, während jene, die stagnieren, durch eine institutionelle Risikoaversion gelähmt sind, die sich in bürokratischen Genehmigungsprozessen und unbegründeten Ängsten niederschlägt.
Dieser Beitrag erzeugte ein enormes Engagement (über 1.793 Reaktionen, 288 Kommentare, 149 Shares), was widerspiegelt, wie stark diese Beobachtung bei der Fachöffentlichkeit Resonanz fand.