Im April 2024 veröffentlichte OpenAI eine offizielle Fallstudie zum Einsatz von ChatGPT Enterprise bei Moderna, dem mRNA-Biotechnologieunternehmen, das seit Anfang 2023 Partner von OpenAI ist. Das Dokument positioniert Moderna als Lehrbuchbeispiel für die GenAI-Einführung im großen Maßstab, mit einem expliziten Ziel: 100 % Akzeptanz und Kompetenz innerhalb von sechs Monaten für jeden Mitarbeiter mit digitalem Zugang.
Die Grundlage wurde 2023 mit mChat gelegt, einem internen Chatbot auf Basis der OpenAI-API, der von mehr als 80 % der Mitarbeiter genutzt wurde. Diese Basis ermöglichte es Moderna, mChat, Copilot und ChatGPT Enterprise methodisch zu vergleichen — unter der Leitung von Brice Challamel, Head of AI Products and Platforms. Ergebnis: Der NPS von ChatGPT Enterprise war „durch die Decke". Die Entscheidung fiel, verstärkt auf die OpenAI-Lösung zu setzen.
Die Ergebnisse nach zwei Monaten sind bemerkenswert: 750 erstellte benutzerdefinierte GPTs, 40 % der wöchentlichen Nutzer erstellen eigene GPTs, durchschnittlich 120 Gespräche pro Nutzer und Woche. Die Rechtsabteilung weist 100 % Akzeptanz auf — ein ungewöhnliches Ergebnis für eine traditionell vorsichtige Funktion. Signatur-Tools: Contract Companion (Vertragszusammenfassungen) und Policy Bot (Antworten zu internen Richtlinien).
Das Vorzeigepilotprojekt ist Dose ID, ein GPT zur Analyse klinischer Daten für die Auswahl der Impfstoffdosierung. Es automatisiert die Analyse, wendet Standardkriterien an und liefert Begründungen, Referenzen und Visualisierungen. Es bleibt ein Assistent zur Unterstützung menschlicher Entscheidungen, kein kritisches System. Das Markenteam nutzt GPTs zudem, um Folien für Earnings Calls vorzubereiten und Biotech-Fachjargon für Investoren zu übersetzen.
Der Erfolg beruht auf einem dreigliedrigen Change-Management-Rahmenwerk: individuell (Präsenzschulungen, Online-Schulungen, AI Learning Companions — „KI einzusetzen, um KI zu vermitteln, war entscheidend für unseren Erfolg"), kollektiv (Prompt-Wettbewerbe zur Identifizierung von 100 Power-Usern, organisiert als Generative AI Champions, ein wöchentliches internes Forum mit 2.000 Teilnehmern, Sprechstunden nach Geschäftsbereich), strukturell (Einbindung von CEO und Führungsgremium über Town Halls, Anreizprogramme). Brad Miller, CIO, nennt die zentrale Statistik: „90 % der Unternehmen wollen GenAI einsetzen, aber nur 10 % von ihnen sind erfolgreich, und der Grund für ihr Scheitern ist, dass sie die Mechanismen für die tatsächliche Transformation der Belegschaft nicht aufgebaut haben."
Das Dokument schließt mit dem inzwischen ikonischen Zitat von Stéphane Bancel: „Wenn wir es auf die alte biopharmazeutische Art machen müssten, bräuchten wir heute vielleicht hunderttausend Mitarbeiter. Wir glauben wirklich, dass wir unsere Wirkung auf Patienten mit einigen tausend Mitarbeitern maximieren können, indem wir Technologie und KI nutzen, um das Unternehmen zu skalieren." Dieser Satz machte aus der Moderna-Anekdote ein Branchensignal und nährte die Erzählung der organisatorischen Transformation rund um KI — eine Erzählung, die Tracey Franklin (Chief People and Digital Technology Officer) 2025 mit der Fusion von HR und IT fortführen sollte.