Jaya Gupta und Ashu Garg von Foundation Capital entwickeln eine These über das Entstehen einer neuen Generation von Systems of Record, die sich auf Entscheidungsspuren statt auf traditionelle Geschäftsobjekte konzentriert.

Die vorherige Generation von Unternehmenssoftware schuf ein Billionen-Dollar-Ökosystem, indem sie zu Systems of Record wurde: Salesforce für Kunden, Workday für Mitarbeiter, SAP für den Betrieb. Die aktuelle Frage ist, ob diese Systeme den Übergang zu KI-Agenten überstehen werden.

Die Autoren stimmen Jamin Balls Analyse zu, wonach Agenten Systems of Record nicht ersetzen, sondern deren Anforderungen erhöhen. Sie identifizieren jedoch eine entscheidende fehlende Ebene: Entscheidungsspuren. Diese erfassen die Ausnahmen, Sondergenehmigungen, Präzedenzfälle und systemübergreifenden Kontexte, die derzeit in Slack, Deal-Desk-Gesprächen, Eskalationsanrufen und im Gedächtnis der Mitarbeiter existieren.

Die grundlegende Unterscheidung stellt Regeln (was im Allgemeinen geschehen sollte) den Entscheidungsspuren (was in diesem konkreten Fall geschah, unter welcher Richtlinie, mit welcher Ausnahme, auf welchem Präzedenzfall) gegenüber. Agenten benötigen nicht nur Zugriff auf die Regeln, sondern auch auf die Historie ihrer Anwendung.

"Systems of Agents"-Startups verfügen über einen strukturellen Vorteil: Sie befinden sich im Ausführungspfad. Sie sehen den vollständigen Kontext im Moment der Entscheidung und können diese Spuren als dauerhafte Artefakte persistieren. Die Anhäufung dieser Spuren bildet einen "Context Graph": eine lebendige Aufzeichnung von Entscheidungen, die über Entitäten und im Zeitverlauf verknüpft ist und in der Präzedenzfälle abfragbar werden.

Etablierte Anbieter können diesen Context Graph nicht aufbauen. Operative Systeme wie Salesforce speichern den aktuellen Zustand, nicht den Zustand im Moment der Entscheidung. Data Warehouses wie Snowflake erhalten Daten per ETL, nachdem Entscheidungen getroffen wurden, wodurch der Entscheidungskontext verloren geht.

Die Autoren identifizieren drei Wege für Startups: das Ersetzen bestehender Systems of Record (etwa Regie für Sales-Engagement-Plattformen), das Ersetzen einzelner Module (etwa Maximor für Finanzen) oder die Schaffung neuer Systems of Record für Kategorien von Wahrheit, die zuvor nie erfasst wurden (etwa PlayerZero für Production Engineering).

Zu den Signalen zur Identifizierung dieser Chancen zählen ein hoher Personalbestand für manuelle Workflows, Entscheidungen mit vielen Ausnahmen sowie die Existenz von "Kitt"-Organisationen (RevOps, DevOps, SecOps), die genau deshalb existieren, weil kein System den funktionsübergreifenden Workflow erfasst.