Cobus Greyling argumentiert, dass Software derzeit einen historischen Zusammenbruch von Kosten und Komplexität durchläuft, ähnlich früheren Wellen (Speicher, CPUs, Bandbreite), der die Softwareproduktion und die Entwicklungsbranche grundlegend verändert.

Keine KI-Blase laut Marc Andreessen

Anders als bei der Dotcom-Blase, wo 97% der verlegten Glasfaserkabel „dark“ (ohne Nachfrage) blieben, steht die aktuelle KI vor keiner Nachfragedürre – „es gibt keine dark GPUs“. Technologiewellen brechen sich Bahn, wenn das Teure billig genug wird, um verschwendet zu werden. KI hat diesen Punkt erreicht: Man „verschwendet“ KI für alles, von Meme-Generatoren bis zu Code-Anpassungen, wodurch „Work Slop“ und „AI Slop“ entstehen (Ausgaben mit geringem Wert, die Arbeitsabläufe überfluten). Die intuitive Schnittstelle (natürliche Sprache) macht KI massiv zugänglich und löst einen explosionsartigen Konsum aus.

Geschichte technologischer Kostenzusammenbrüche

Der Artikel erinnert an Gmail 2004 (1GB kostenlos gegenüber 4MB bei Wettbewerbern), an Einwahlverbindungen, bei denen jedes Byte kostbar war, im Vergleich zum heutigen 4K-Streaming im Hintergrund, sowie an CPUs, die sich von raumgroßen Großrechnern zu Taschensupercomputern entwickelt haben. Jetzt ist Software an der Reihe.

Software konnte „die Welt nicht verschlingen“

Marc Andreessen erklärte 2011: „Software is eating the world“, doch jahrzehntelang bremsten die astronomische Komplexität und Kosten der Softwareentwicklung die Produktion und häuften eine massive gesellschaftliche technische Schuld an. Software konnte „die Welt“ nicht wirklich verschlingen, solange sie knappe, teure Ressourcen wie qualifizierte Programmierer benötigte, um selbst grundlegende Anwendungen zu erstellen.

Der aktuelle Zusammenbruch

Heute „verschlingt“ Software alles, gerade weil ihre Kosten und Komplexität zusammenbrechen. Generative KI-Werkzeuge steigern die Entwicklerproduktivität um bis zu 55% und verkürzen drastisch Entwicklungszyklen und -kosten – von Prototypen bis zu Produktionscode. So wie Inhalte „permissionless“ geworden sind (YouTube, Blogs, Twitter ermöglichen Erstellung ohne Hürden), wird auch Software permissionless. „Content ist jetzt eine Anwendung; Apps sind jetzt Content“ – die Grenzen verschwimmen vollständig.

Divergenz zwischen Unternehmen und Verbrauchern

Greyling relativiert dies jedoch: Diese Transformation wird sich innerhalb von Unternehmen anders vollziehen. Legacy-Systeme, Compliance-Hürden und Skalierungsanforderungen werden nicht sofort verschwinden. „KI könnte die Ränder demokratisieren, aber der Kern bleibt abgeriegelt“ im Unternehmenskontext. Konkreter Beleg: Während permissionless Verbraucher-KI über dezentrale Plattformen gedeiht, schaffen es 95% der generativen KI-Pilotprojekte in Unternehmen aufgrund von Sicherheits- und Governance-Lücken nicht in die Produktion.

Beschäftigungsfolgen

Das Diagramm von ADP Research zeigt einen stetigen Rückgang der Beschäftigung von Softwareentwicklern in den USA seit 2018 (Höchststand ~112% im Januar 2020, Rückgang auf ~82% im Januar 2024), was auf einen tiefgreifenden, bereits laufenden Wandel der Branche hindeutet.

Gutenberg-Moment

Der Artikel bezeichnet diesen Zusammenbruch als „Software's Gutenberg Moment“ – eine Revolution vergleichbar mit der Erfindung des Buchdrucks, die die Softwareerstellung auf beispiellose Weise demokratisiert. Die über Jahrzehnte angehäufte gesellschaftliche technische Schuld könnte dank dieser neuen Zugänglichkeit endlich abgebaut werden, obwohl der Übergang für traditionelle Fachleute erhebliche Disruption verursacht.