Im Studio von Tech & Co Business (BFM Business, 5. Mai 2026, Rubrik „The Debate“, 17 Minuten) vergleichen Rémi Jacquet (CEO von Cast Software France, Gründer im Jahr 2023 eines Thinktanks von rund hundert CIOs in Partnerschaft mit Cigref/Epita) und Didier Girard (CTO und CEO von SFEIR, einem französischen IT-Dienstleistungsunternehmen mit 1.000 Mitarbeitenden) ihre Sichtweisen auf die Zukunft des Entwicklerberufs im Zeitalter der KI-Agenten.

Girard legt von Beginn an vor: „Code zu schreiben ist zu einem Anti-Pattern geworden“. KI produziert inzwischen Code von höherer Qualität als die meisten Ingenieure und ist „2- bis 10-mal effizienter“„das ist die Realität, man muss sie akzeptieren“. Doch der Beruf verschwindet nicht: „Wir delegieren die Analyse- und Denkfähigkeit an die KI, die Entscheidung bleibt menschlich.“ Jacquet ergänzt: Der Entwickler wird zum Dirigenten / Agenten-Manager / Schiedsrichter, der direkt mit den Fachbereichen spricht und die volle Verantwortung für eine Anwendung übernimmt. Die 14-tägigen Scrum-Sprints weichen ein- bis halbtägigen Bolts. Das Pizza Team von Amazon (8-10 Personen) hat ausgedient: „Wenn wir 10 Personen zusammenbringen, um eine Spülmaschine auszuräumen, werden wir nicht schneller“ — Teams müssen segmentiert werden. SFEIR beansprucht für sich „1.000 Mitarbeitende bei einer Produktionskapazität von 10.000“. Eine neue Rolle entsteht — der Product Engineer —, gemessen nicht an Codezeilen, sondern am geschaffenen Wert.

Auf der Risikoseite äußert Jacquet eine kontraintuitive Warnung: „Je stärker die KI wird, desto mehr lassen wir unsere Wachsamkeit sinken — desto größer sind die Risiken.“ Cast positioniert sich im Bereich harness engineering: eine strukturierte deterministische Analyse, um die probabilistische KI zu kanalisieren und den erzeugten Code zu kontrollieren (architektonische Konsistenz, Leitplanken). Angekündigter historischer Wandel: prompt engineering (2024) → context engineering (2025) → harness engineering (2026), im Einklang mit dem am selben Tag in Les Échos veröffentlichten Meinungsbeitrag von Sylvain Duranton (BCG X) („ein Agent = ein LLM + Harnesses“) — ausdrücklich als „französische Technologie“ bezeichnet.

Auf der HR-Seite gilt: Der Token wird zum Treibstoff des Wertes: NVIDIA zahle angeblich Boni in Tokens aus, „ein Entwickler, der keine Tokens verbraucht, ist wie ein Taxifahrer ohne Benzin — schafft er wirklich Wert?“ Die Lebensdauer einer Kompetenz sinkt von 10 Jahren auf 1 Jahr, kompetenzbasierte Stellenbeschreibungen geraten ins Wanken, Personalabteilungen werden zum Dreh- und Angelpunkt der Transformation, und eine neue Arbeitsgruppe des Thinktanks widmet sich einer „vollständigen Überarbeitung des SDLC“. Jacquets provokante These: „Es könnte sogar einfacher sein, eine neue, bereits auf KI-Agenten basierende IT-Abteilung zu schaffen, als eine bestehende umzuwandeln.“

Abschließend an die Berufseinsteiger: „Es gibt Positionen zu besetzen — vorausgesetzt, man wird zum Dirigenten und beherrscht die Grundlagen der Softwarearchitektur.“ Girard resümiert: „Code ist die Partitur — man muss die Symphonie beherrschen.“