Prasanna Sankar, Mitgründer und ehemaliger CTO von Rippling (mit über 16 Mrd. Dollar bewertet), veröffentlicht „The Great Flattening“ — einen Manifest-Essay mit einer radikalen These zur Zukunft des Software Engineering. Veröffentlicht auf X am 14. Juli 2026, zeitgleich mit dem Launch von Vorflux, seinem neuen Startup, das einen Autopilot für Software Engineering baut, finanziert durch eine 15-Mio.-Dollar-Seed-Runde unter Führung von Y Combinator mit Peak XV Partners und Alliance DAO.
Zentrale These: die Verlagerung des Engpasses
Sankar argumentiert, dass Frontier-Coding-Modelle eine Schwelle überschritten haben, die die meisten Engineering-Teams noch nicht erkannt haben: „die Modelle sind übermenschlich im Programmieren geworden — nicht auf dem Weg dahin, sondern genau jetzt tatsächlich übermenschlich.“ Infolgedessen hat sich der Engpass von der Code-Produktion hin zur Kodierung von Urteilsvermögen in die Agent-Harnesses verlagert, die diesen Code planen, testen, prüfen und ausliefern. Die knappe Fähigkeit ist nicht mehr die Code-Produktion, sondern das Spezifizieren und Überwachen der Agenten, die ihn produzieren. Was bleibt, ist Kundenverständnis und Produkturteilsvermögen — zu wissen, was gebaut werden soll, nicht wie.
Kollaps zum Harness hin
Der Essay argumentiert, dass „alles innerhalb der organisatorischen Grenze — Planung, Design, Architektur, Review, Ausführung — zum Harness hin kollabiert“, dem System, das die Arbeit orchestriert. Das Organigramm schrumpft weniger, als dass es seine Form verändert. Die eigentliche Arbeit aller wird zum Self-Profiling: das implizite Entscheidungswissen aus dem eigenen Kopf zu extrahieren, um es in die Codebase zu kodieren — „welches Entscheidungsrahmenwerk in deinem Kopf steckt, das nicht in der Codebase steht, wie du priorisierst, auf welche Daten du zurückgreifst, welchen konträren Ruf sonst niemand treffen würde.“
Copilot vs. Autopilot
Sankar unterscheidet das Copilot-Modell (am Steuer bleiben, jeden Schritt freigeben) vom Autopilot-Modell (der Agent übernimmt die gesamte Strecke). Seine These: Die Modelle sind gut genug für Autopilot, aber die Tools haben nicht mitgezogen. Vorflux schlägt vor, dies mit einer Fresh-Agents-Architektur zu adressieren, bei der jeder Agent seinen eigenen Kontext, sein eigenes Modell und seine eigene feste Aufgabe hat, statt einer einzigen riesigen Session, die abdriftet.
Nuancen und historischer Kontext
Der Essay räumt ein, dass Vorhersagen organisatorischer Abflachung eine Geschichte verfrühten Eintreffens haben — die Low-Code- und Offshoring-Wellen vergangener Jahrzehnte versprachen ähnliche Ergebnisse, doch die Zahl der Engineering-Stellen wuchs in beiden Fällen. Die Resonanz war massiv: über 60.000 Aufrufe auf X in 24 Stunden, mit bemerkenswerten Fürsprachen, darunter Matt Shumer („Vorflux ist der mit Abstand beste Coding-Agent, den ich je genutzt habe. Er lässt Devin alt aussehen.“) und Sreeram Kannan („Coding-Agenten in der Cloud, die unbegrenzt skalieren“). Der Essay fügt sich in die Welle der Manifeste zur KI-getriebenen Managementabflachung von 2026 ein, neben Fortune (Juni 2026), Forbes, Fast Company und Lepaya, hebt sich jedoch durch seine technische Fundierung (das Harness als strukturierende Einheit) ab und nicht durch eine rein organisatorische (das mittlere Management als Zielscheibe).