Guillaume Geudin, Director of Purchasing Performance bei Elee, veröffentlicht einen Meinungsbeitrag in CIO Online, der vor der unkontrollierten Entwicklung der Software- und Cloud-Kosten innerhalb der IT-Budgets warnt. Der Befund ist quantifiziert: Die Rechnungen der CIOs steigen jährlich um 12 bis 14 %, ein Tempo, das die Inflation deutlich übersteigt und das finanzielle Gleichgewicht der Organisationen bedroht.

Der Autor identifiziert drei strukturelle Faktoren hinter dieser Eskalation. Erstens hat seit 2020 die massive Migration von unbefristeten Lizenzen (Capex) zu SaaS-Abonnements (Opex) das Versprechen der Flexibilität der Cloud in eine dauerhafte Budgetentwicklung verwandelt. Zweitens verwenden Anbieter undurchsichtige und unvorhersehbare Abrechnungsmetriken (API-Aufrufe, Speicherplatz, aktive Nutzer). Drittens schrumpfen die in den 2010er Jahren ausgehandelten historischen Rabatte rasch.

Die anbieterbezogenen Zahlen sind aufschlussreich. Zwischen 2020 und 2024 hat Microsoft seine Preise um 11 bis 25 % erhöht, mit einem Sprung von 85 % bei Copilot AI. Google Gemini weist Erhöhungen von 20 bis 45 % auf, Salesforce 15 %, Oracle 8 bis 12 % und SAP 3,3 bis 5 %. Die aggressivste Strategie besteht darin, künstliche Intelligenz standardmäßig einzubetten, ohne Möglichkeit zum Opt-out, was den durchschnittlichen Umsatz pro Nutzer (ARPU) um 30 bis 80 % erhöht.

Ohne Korrekturmaßnahmen prognostiziert Geudin bis 2028 einen Anstieg der IT-Ausgaben um 50 bis 60 %. Um wieder die Kontrolle zu erlangen, schlägt er fünf konkrete Hebel vor. Erster Hebel: eine feingranulare Nutzungsanalyse, da 30 % der Softwarelizenzen ungenutzt bleiben und eine unmittelbare Einsparquelle darstellen. Zweiter Hebel: die Rationalisierung des Anwendungsportfolios zur Beseitigung von Redundanzen. Dritter Hebel: frühzeitige Verhandlungen, die 12 bis 18 Monate vor Vertragsablauf eingeleitet werden sollten, um eine günstige Verhandlungsposition zu sichern. Vierter Hebel: die Einführung eines kontinuierlichen FinOps-Monitorings, das 20 bis 30 % Einsparungen generieren kann. Fünfter Hebel: der Rückgriff auf Alternativen wie Open Source und Multi-Sourcing, um Wettbewerbsdruck zu erzeugen.

Das Fazit des Autors ist programmatisch: Das Softwareportfolio muss als strategisches Asset betrachtet werden, das dieselbe Management-Disziplin erfordert wie die Personalkosten oder Capex-Investitionen. Die Zeit, in der CIOs Preiserhöhungen passiv hinnehmen konnten, ist vorbei; die Kontrolle der Softwarekosten wird zu einer kritischen organisatorischen Kompetenz.