Der zweite Teil einer beim DevSummit aufgezeichneten Folge des Podcasts „À la French“ bringt Mathieu Grymonprez, Global CDO der Adeo-Gruppe (Leroy Merlin, Obramat, Weldom), mit den Moderatoren Jean-Baptiste Kempf (Erfinder von VLC), Steeve Morin und Mehdi Medjaoui zusammen. Mathieu, seit 26 Jahren im Unternehmen und seit 8 Jahren CDO, zeichnet einen Werdegang vom Netzwerksicherheitsingenieur (erste Check-Point-Firewall) bis zum Leiter von „Digital Tech and Data“ nach: Nachdem er 2012 dringend einen Absturz einer Oracle-Datenbank in Brasilien behoben und anschließend während sechs Jahren als Expatriate das lokale IS überarbeitet hatte, führte er die 24 IS/Standorte/PIM der Gruppe in digitalen Plattformen zusammen (Customer & Commerce, Supply Chain, Retail, Corporate), gestützt auf ein Tech-Radar, dokumentierte APIs und Microservices (die zu „großen Produkten“ wurden).

Seine These: jede Transformation wird gleichzeitig an zwei Fronten gewonnen, Kultur und Struktur, und das Playbook der digitalen Transformation (Wasserfall → agil, Produkt, mehr Make als Buy) wird mit KI erneut durchgespielt. Auf der Kulturseite: sich neu ausrichten, um die Technologie anzunehmen, kritisches Urteilsvermögen bewahren und vor allem Verantwortlichkeit: Die Verantwortung bleibt menschlich, „es ist nicht die Schuld des Agenten“. Auf der Strukturseite: die Dokumentationsschuld abbauen, die Rechte und Berechtigungen der Agenten verwalten. In Erinnerung an das Scheitern der „Retail Apocalypse“ (Amazon, zu spät verhandelter E-Commerce) lautet die Devise „wir lassen uns kein zweites Mal überraschen“: KI ernst nehmen, aber mit denselben Werten (Pragmatismus, Kundenservice, führende Marke). Wenn ChatGPT einen besseren Warenkorb baut als die hauseigene App, „ist das mein Problem“.

Im Vorstand spricht Mathieu nie über Technologie, sondern über Kundenerlebnis und ROI; er beantragt nicht einmal ein KI-Budget, sondern finanziert die neue Arbeit über die Einsparungen (Reduzierung der JIRA-Tickets), nach einer Wiederverwendungslogik im Dienst des Verkäufers in der Filiale. Er erwartet nicht das Ende der Entwickler, sondern eine Lawine an Anfragen (P10-Projekte werden zu P2). Bei den Kosten ist er zuversichtlich: Die Token-FinOps wird denselben Weg nehmen wie die Cloud-FinOps, angetrieben von Inferenz-Chips (TPUs) und aufholenden Open-Source-Modellen (Gemma 4 auf einem Laptop). Aber die Modellvariation ist ein echtes Produktionsproblem (erneute Tests, Requantisierung, stille Downgrades), und Google verfügt über ein „Produktionsbewusstsein“, das OpenAI oder Anthropic noch nicht haben. Seine größte Sorge: das Lock-in der Unternehmensintelligenz (agentisches Harness, „adeo.md“), daher die Aufmerksamkeit für Standard-Kubernetes, API-Portabilität und Gedächtnis. Er verweist auf den fehlenden Open-Source-Baustein — Agenten-Orchestrierung (Registry, Lebenszyklus, Berechtigungen, Skills) — und das Unternehmensgedächtnis („wenn es nicht logisch ist, ist es historisch“). Abschließender Rat: Die Transformation ist maßgeschneidert; man sollte die Technologie vor allem verstehen, um sich nicht von Schaufelverkäufern „über den Tisch ziehen“ zu lassen.