Patrick Debois, Gründer von Tessl und Erfinder des Begriffs DevOps, stellt in diesem grundlegenden Artikel das Konzept des Context Development Lifecycle (CDLC) vor — einen Engineering-Zyklus, der den Kontext von KI-Coding-Agenten als vollwertiges Engineering-Artefakt behandelt, nicht als vergessene Markdown-Datei.

Der Ausgangspunkt ist eine grundlegende Verschiebung des Engpasses. Jahrzehntelang optimierte die Branche, wie Menschen Code schreiben (Wasserfall, Agile, DevOps, Platform Engineering). Doch mittlerweile schreiben Coding-Agenten den Code. Der neue Engpass ist die Kontextqualität: das strukturierte Wissen, das Agenten zu den richtigen Lösungen führt. Jede Agenten-Sitzung ist vergleichbar mit einer neuen Mitarbeiterin, die bei null anfängt, ohne institutionelles Gedächtnis.

Der CDLC gliedert sich in vier Phasen. Die Phase „Generate" besteht darin, implizites Wissen auf drei Ebenen explizit zu machen — technisch (Standards, Architekturmuster), projektbezogen (Prioritäten, Umfang) und geschäftlich (Compliance, Kundenerwartungen). Debois betont: Kontext verfällt und gerät in Konflikt, was ein aktives Management seiner Aktualität und Konsistenz erfordert.

Die Phase „Evaluate" wendet TDD-Prinzipien auf den Kontext an. Szenarien werden definiert, Agenten-Ausgaben werden statistisch bewertet (da LLMs nicht-deterministisch sind), und jeder fehlgeschlagene Evaluationstest offenbart eine ungeschriebene Spezifikation statt eines Agentenfehlers. Evaluationen ermöglichen zudem eine faktenbasierte statt intuitive Navigation zwischen Modellen.

Die Phase „Distribute" behandelt Kontext als versioniertes, gesichertes Paket. Die zentrale Erkenntnis ist die Ausrichtung der Anreize: Zum ersten Mal dient das Teilen von Wissen unmittelbar dem eigenen Interesse des Autors, da besserer Kontext die eigenen Interaktionen mit Agenten verbessert.

Die Phase „Observe" schließt den Kreislauf. In der Produktion offenbaren Agenten Lücken durch ihre Fragen, ihre unerwarteten Entscheidungen und ihre Improvisation, wenn der Kontext schweigt. Diese Signale fließen in den nächsten Zyklus ein.

Debois zieht eine explizite Parallele zu DevOps, das er 2009 mitbegründete. Die Dynamik ist ähnlich — die Integration zweier zuvor getrennter Tätigkeiten —, doch der strukturelle Vorteil ist größer: Der Anreiz zur Zusammenarbeit ist von Natur aus mit dem individuellen Interesse in Einklang. Er schließt mit der Warnung, dass unendliche Kontextfenster die Notwendigkeit des CDLC nicht beseitigen werden, da sie die Herausforderung der Kuratierung in eine Governance-Herausforderung verwandeln — potenziell eine komplexere.