Boris Cherny, Creator & Head of Claude Code bei Anthropic, veröffentlicht eine Framework-Tabelle — « Steps of AI Adoption » — entstanden aus einer wiederkehrenden Beobachtung: In vielen Unternehmen vervielfacht eine einzelne Person ihren Output mit Claude um das Zehnfache, aber der Rest der Organisation zieht nicht nach. Daraus leitet er eine 5-stufige Reifeskala (0→4) ab, strukturiert um die Größenordnung der von einem Engineer gesteuerten Agenten — und die dadurch erzwungene Rollentransformation.

0 — Gated (0 Agenten): abgeschotteter Zugang, ältere Modelle, keine MCP-Governance und keine Infrastruktur, um Claudes Code zu hosten; Engpass = veraltete Sicherheits-/Freigabeprozesse und eine Fixierung auf Kosten pro Token. 1 — Assisted (~1): „du + ein Agent“, betreutes Pair Programming, synchrone Arbeit; Engpass = deine Aufmerksamkeit, da du ohne Self-Verification alles selbst prüfst. 2 — Parallel (~10): du wirst zum Orchestrator von 5–10 Agenten auf getrennten Worktrees; Claude verifiziert sich selbst (Tests/Build/Lint/Security), Auto mode und automatisierte Reviews sind Standard; Engpass = das Prüfen mehrerer paralleler Stränge. 3 — Supervised autonomy (~100): Manager of Managers, Claude schreibt fast alles, Wartung läuft im Hintergrund; Engpass = Vertrauen in die Loop und der Entscheidungsdurchsatz. 4 — AI-native (~1.000+): VP Steering by Intent, eine geschlossene Loop, in der Claude die meisten Agenten selbst startet, Überwachung nach dem Ausnahmeprinzip.

Steps of AI Adoption

Boris Cherny , linkedin.com

Zentrale These: Tokens bringen keinen Stufenaufstieg. Jede Stufe hat ihren eigenen Engpass; Fortschritt entsteht durch dessen Auflösung und den Aufbau des nächsten Satzes an Guardrails, der den Output vertrauenswürdig macht. Die genannten Hebel: Self-Verification-Loop (Tests + Build + Lint + E2E in einer echten Umgebung), Auto mode gegen blockierende Abfragen, Code-Review + Security-Review als Standard, Multi-Agenten-Oberflächen (Agent View, Desktop, Mobile, Tag), dann /loop, /batch, /goal, dynamische Workflows, worktree isolation, CLAUDE.md + Skills zur Kodifizierung von Standards, und schließlich das Claude Agent SDK, um Agentenflotten programmatisch zu bauen und zu steuern.

Zum Thema Steuerung verwirft Cherny die Vanity-Metrik: Nutzung misst Aktivität, nicht Ertrag. Die richtige Frage — hätten wir diesen Aufwand ohnehin investiert, und wie viele manuelle Engineer-Stunden hätte es gekostet? — liefert den wahren ROI. Der entscheidende Gewinn kommt, wenn Fixes/Wartung in den Hintergrund wandern und Teams frei werden, um Dinge zu bauen, die zuvor nicht einmal in Reichweite lagen. Ein ehrlicher Maßstab: Anthropic steht auf Stufe 3 und strebt Richtung 4; er selbst habe soeben Stufe 4 erreicht.