Sechs Uber-Ingenieure (Matt Mathew et al.) veröffentlichten am 21. Mai 2026 im Uber-Engineering-Blog einen Artikel, der die bei Uber für Tausende interne Agenten produktiv eingesetzte Architektur für Agentenidentität und Zugriffskontrolle darlegt. Kernthese: "an agent is best defined as an entity that is authorized to act for or in the place of another," wodurch das klassische Identitätsmodell aus Mensch + Workload obsolet wird.

Zwei benannte Probleme: (1) "Current Identity Model Doesn't Describe Agency" — Delegation ist der Standardmodus, Workflows sind kompositional, das Verhalten ist dynamisch; (2) "Original Provenance Isn't Effectively Carried Forward Across Agents to Systems""Execution context is dropped across agent hops" — was Audit-Lücken erzeugt und die konsistente Durchsetzung feingranularer Zugriffsrichtlinien verhindert.

Architektur als Erweiterung von Ubers Zero-Trust-Architektur: Agent Registry (Source of Truth für Agent↔Workload) + AI Agent Mesh (Datenebene zwischen Agenten) + STS (Security Token Service) (Ausstellung kurz begrenzter JWTs) + MCP Gateway (Policy-Enforcement für Tools) + AI Gateway (LLM-Vermittlung + Redaktion via AI Guard) + SPIRE (Anbieter von Workload-Credentials).

Mechanik: Workloads beziehen kryptografisch signierte SPIFFE Verifiable IDs (SVIDs) von SPIRE → das SDK fordert ein JWT vom STS an → der STS prüft die Autorisierung gegen die Agent Registry → ein kurzlebiges Token (TTL in der Größenordnung von Minuten) wird für ein spezifisches Single-Hop-Ziel ausgestellt (Audience-Claim). Kanonische Doktrin: "Single-hop, short-lived tokens. Every JWT minted by the STS is intended for a single hop, with a specific Audience claim and a short time-to-live in the order of minutes."

Multi-Hop-Durchlauf: ein Bereitschaftsingenieur user1 → Oncall Agent → Investigation Agent → MCP Gateway. Das finale JWT trägt eine verifizierbare Akteurskette [user1, oncall-agent, investigation-agent] — Zugriffsentscheidungen auf Tool-Ebene basierend auf der vollständigen Historie der Anfrage.

Standardisierung: ein Standardized A2A (Agent-to-Agent) Client-SDK automatisiert STS-Austausche und die Propagierung der Akteurskette — "the secure path is also the easiest path for developers to implement A2A calls." Schrittweise Migration von Legacy-Agenten.

Produktionskennzahlen: "P99 latency for the STS Token Exchange API is consistently below 40 milliseconds," Tausende interner Agenten im Einsatz, Echtzeit-Observability.

Langfristvision — dreischichtiges Framework: (1) Identity & Trust Foundation, (2) Dynamic Access Control, (3) Unified Enforcement Plane.

Externe Standards: SPIFFE/SPIRE (CNCF graduated), OAuth 2.0 Token Exchange (RFC 8693), IETF-WIMSE-Arbeitsgruppe, Entwurf draft-klrc-aiagent-auth-01, A2A-Protokoll.

Bedeutung: die erste Referenzpublikation eines Hyperscalers außerhalb der KI-Labs, der Agentensicherheit auf Infrastrukturebene industrialisiert und die doktrinäre Lücke zwischen Skills-/Harness-Frameworks (Produktivität) und Fragen der Unternehmensidentität (Governance-Fähigkeit) schließt. Wird zur kanonischen Referenz für Plattformarchitekten, Sicherheitsingenieure und CISOs, die vor dem internen Einsatz von Agenten stehen.