Justin Reock, Deputy CTO bei DX, widmet sich der Herausforderung der Führung in Organisationen, die KI einführen. Er beginnt damit, die beruhigenden Branchendurchschnittswerte zu dekonstruieren: Während insgesamt leichte Produktivitätsgewinne sichtbar sind, offenbaren granulare Daten auf Unternehmensebene eine extreme Volatilität. Bei manchen Organisationen steigt die Change Failure Rate an, und das Vertrauen der Entwickler bricht ein.
Um erfolgreich zu sein, betont Reock die psychologische Sicherheit (unter Verweis auf das Projet Aristotle von Google). KI erzeugt Angst (vor Ersetzung). Führungskräfte müssen klar kommunizieren, dass das Ziel eine Erweiterung der Fähigkeiten ist, nicht ein Personalabbau – zumal Agenten bei der Mehrheit komplexer autonomer Aufgaben noch immer scheitern. "Top-down"-Mandate erweisen sich als kontraproduktiv.
Er schlägt ein Messframework vor, das Telemetrie (was technisch geschieht) und qualitative Daten (Stimmung der Entwickler) ausbalanciert, da 95 % der Produktivität vom System abhängen, nicht vom Individuum. Er warnt vor der Fixierung auf "eingesparte Zeit beim Coden". Unter Berufung auf die Theory of Constraints (Goldratt) stellt er fest, dass es nutzlos ist, eine Stunde bei einer Aufgabe einzusparen, die nicht den Engpass darstellt.
Er nennt Beispiele von Unternehmen, die die richtigen Engpässe adressiert haben: - Morgan Stanley setzt KI ein, um Legacy-Code (Cobol) per Reverse Engineering zu erschließen und so die Modernisierung zu ermöglichen. - Zapier setzt Bots beim Onboarding ein, wodurch neue Ingenieure bereits nach 2 Wochen produktiv sind (statt nach 90 Tagen). - Spotify beschleunigt die Incident-Behebung, indem Kontext automatisch an SREs weitergeleitet wird.
Abschließend gibt er taktische Ratschläge für Führungskräfte: Feedback-Schleifen für "System Prompts" etablieren (damit KI-Regeln wie Code gepflegt werden), Parameter wie "Temperature" (Kreativität vs. Determinismus) verstehen und vor allem sichere Räume (Sandboxes) bereitstellen, damit Teams ohne Angst experimentieren können.