Das Engineering-Team von Compare the Market (Meerkat Careers, UK) veröffentlichte am 6. März 2026 eine empirische Bewertung von vier Context-Retrieval-Ansätzen für das KI-Code-Review: Baseline (kein zusätzlicher Kontext), RAG (Vektorsuche via Embeddings), GKG (GitLab Knowledge Graph, ein AST-basierter Wissensgraph über Tree-sitter und die Kuzu-Graphdatenbank) sowie ein GKG+RAG-Hybrid. Die Auswertung umfasst 79 reale Merge Requests, gemessen über MLflow auf Databricks.

Das Hauptergebnis ist kontraintuitiv: RAG schneidet schlechter ab als die Baseline bei fast allen Metriken, einschließlich Inline-Comments-Abdeckung, Summary-Abdeckung und Score-Genauigkeit. Zusätzlicher, über Vektorähnlichkeit abgerufener Kontext ist nicht nur nutzlos, sondern für das Code-Review kontraproduktiv. Vier Ursachen werden identifiziert: Rauschen (Vektorähnlichkeit ruft Code ab, der „ähnlich aussieht“, ohne relevant zu sein), False Positives, das fehlende Verständnis dateiübergreifender Beziehungen sowie ein Ablenkungseffekt, der das Modell in die Irre führt.

Umgekehrt übertrifft GKG RAG um +21 % bei der Inline-Comments-Abdeckung (0,696 vs. 0,577). Der Grund ist struktureller Natur: Code-Review erfordert das Wissen, wer eine Funktion aufruft, was sie aufruft und wie sie sich in die Architektur einfügt — Informationen, die AST und Wissensgraph nativ erfassen, semantische Ähnlichkeit jedoch nicht liefern kann. GKG identifiziert Aufrufer präzise, versteht Funktionssignaturen und verfolgt Code-Beziehungen.

Die Implementierung ist pragmatisch: Da GKG noch in der Beta-Phase ist und noch nicht nativ in GitLab CI/CD integriert, baute das Team einen Docker-Sidecar-Container, der die GKG-Binary umschließt, bei jeder MR-Pipeline die Codebasis indexiert und die Tools über einen lokalen MCP-Server bereitstellt. Die Kosten liegen beim 4-Fachen der Baseline, doch die Verbesserungen sind messbar und gerechtfertigt. RAG kostet das 3-Fache der Baseline bei schlechteren Ergebnissen.

Diese Studie bestätigt einen wichtigen Trend des Jahres 2026: Bei Code übertreffen strukturelle Ansätze (AST, Wissensgraphen, gezieltes Grep) vektorbasierte Ansätze (semantisches RAG). Code ist kein Text — sein Informationswert liegt in seinen strukturellen Beziehungen, nicht in lexikalischer Ähnlichkeit. Starke Konvergenz mit Zhutov/QMD, Dropbox/Okumura („der Wert entsteht durch die Systeme rund um das Modell“) und der Doktrin von Anthropic Data Science („der Engpass ist Struktur, nicht Zugriff“). Als empirische Referenz für Architekturentscheidungen beim KI-Code-Review sowie als Gegenargument zu RAG-by-default im Code-Bereich zu verwenden.